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Das Wembley-Tor _ Zahllose Länderspiele haben sich ins Gedächtnis der Fußballnation
eingeschrieben, aber eines übertrifft sie alle: das Endspiel um die Weltmeisterschaft
am 30. Juli 1966 in London gegen England. Auch heute noch sorgt es für hitzige Debatten
unter Fußballfreunden. In der Verlängerung dieses Spiels fällt das berühmteste Tor der
Fußballgeschichte. Geoffrey Hurst schießt unter die Querlatte, der Ball fällt senkrecht
zu Boden – vor die Linie, auf die Linie, hinter die Linie? Schiedsrichter Dienst befragt
Linienrichter Bachramow, dann entscheidet er: Tor. 1995 wird an der Universität Oxford
mit Hilfe einer Computersimulation bewiesen: kein Tor. Auch der Schütze, der inzwischen
geadelte Sir Geoffrey, bekennt in seinen Erinnerungen: »Nachdem ich jahrzehntelang alle
Argumente gehört und die Zeitlupenwiederholung Hunderte von Malen im Fernsehen
gesehen habe, muss ich einräumen, dass es so aussieht, als habe der Ball die Linie nicht
überschritten.«
Was geschah eigentlich mit dem Ball? Er wurde die Beute eines deutschen
Diebes: Helmut Haller, der Schütze des 1 : 0, konnte im Trubel nach dem Spiel das gute
Stück – zunächst unbemerkt – in Sicherheit bringen und nahm es mit nach Hause.
Erst 1996, anlässlich der Europameisterschaft, kam das wertvolle Spielgerät zurück ins
Mutterland des Fußballs. Die Briten hatten mithilfe von Fernsehbildern herausgefunden,
wie er seinerzeit abhanden gekommen war. Nach zähen Verhandlungen zahlten sie
70 000 Pfund für ihren Schatz.

 
 

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